Sicherheit beim Kinderwagen – auf was Sie besonders achten sollten

Wer über die Anschaffung eines neuen Kinderwagens nachdenkt, dem gehen meistens auch Gedanken um die Sicherheit des Nachwuchses durch den Kopf. Denn natürlich soll das Baby und das Kind sicher transportiert werden.

Gerade deutsche Käufer sind hier oft sehr vorsichtig und achten peinlich genau darauf, dass auf jedes noch so kleine Detail geachtet wird. Und das ist auch gut so! Denn auch bei Buggys und Kombi Kinderwagen, aber auch bei Joggern lauern einige Tücken, die man kennen sollte, um Sicherheitsprobleme von Anfang an zu vermeiden.

Aber auf was sollten jetzt frischgebackene Eltern beim Kauf wirklich achten? Wir haben einmal alle wichtigen Details rund um das Thema Sicherheit bei Kinderwagen näher beleuchtet und hier in einem Artikel zusammengefasst. In unseren Testberichten gehen wir immer auf spezifische Details ein, die beim jeweiligen Kinderwagenmodell relevant sind, aber eine umfassende Darstellung aller sicherheitsrelevanten Faktoren fehlt bisher.

Zeit dies nun nachzuholen.

TÜV/GS Prüfzeichen

Ein großes Plus bei uns im Test hat jedes Modell, das ein TÜV/GS Prüfzeichen vorweisen kann. Im Idealfall beide, aber auch eines von beiden ist schon mal ein wichtiges Kaufkriterium. Diese beiden unabhängigen Prüfinstitutionen haben Testverfahren, die weit über das hinausgehen, was beispielsweise Zeitschriften testen können.

Denn gerade der TÜV untersucht teilweise auch Schadstoffbelastungen in den Materialien des Kinderwagens und stellt so zumindest bei einigen Materialien sicher, dass sie und ihr Kind nicht mit Schadstoffen in Berührung kommen. Da die Prüfkennzeichen nicht umsonst, sondern relativ teuer sind, kann sich nicht jeder Hersteller dieses Prüfzeichen leisten oder will es nicht.

Für uns ist das kein Ausschlusskriterium unter Sicherheitsaspekten, aber gerade eine Prüfung der Materialstabilität und die Analyse der verwendeten Stoffe ist schon viel wert. Das sollten Sie beim Kauf jedenfalls bedenken!

Die Kinderwagenräder – Luftgefüllt oder Hartgummi?

Knorr Baby Kombikinderwagen

Kinderwagenreifen bei Knorr-Baby

Moderne Kinderwagen kommen im wesentlichen mit drei verschiedenen Rädern daher:

  • Luftgefüllte Räder
  • Hartgummi
  • Plastikräder

Unter dem Aspekt der Sicherheit eines Kinderwagens sollten Sie auf möglichst große (Durchmesser), schwere luftgefüllte Reifen zurückgreifen. Diese erhöhen die Stabilität des Wagens und verringern die Kippgefahr. In Zusammenhang mit den Rädern spielt auch die Achslänge, d.h. der Abstand der Reifen zueinander, eine Rolle da diese bei breiteren Achsständen ebenfalls die Stabilität – und damit ein umkippen – unwahrscheinlicher macht.

Der Nachteil ist, dass die Wagen meistens schwerer sind und damit weniger wendig und flexibel. Alles in einem kann man aber leider nicht haben und deswegen würden wir zum goldenen Mittelweg raten.

Die Bremsen und die Feststellbremse

Gerade Billigmodelle haben oft keine Bremsen am Kinderwagen. Allerdings erleichtern Bremsen gerade bei abschüssigem Gelände die Sicherung von schweren Kombikinderwagen. Je nach Neigung des Geländes und Gewicht des Kindes müssen gerade Mütter teilweise ziemlich schwer kämpfen, um einen Hang hinunter zu kommen.

Glücklich ist wer hier gute Bremsen am Kinderwagen hat, die auch noch leicht zu bedienen sind. Wir würden diesen Sicherheitsaspekt davon abhängig machen, wo sie wohnen und wie das Gelände bei Ihnen aussieht. Wenn Sie in einer bergigen Region wohnen und regelmäßig steile Abhänge hinunter müssen, dann raten wir Ihnen unbedingt zum Kauf eines Modells mit guten Bremsen. Diese sollten leicht zu bedienen sein und ohne großen Kraftaufwand.

Feststellbremsen zur Absicherung gegen Wegrollen

Unverzichtbar ist hingegen eine gut packende Feststellbremse. Diese sicher den Kinderwagen ab in abschüssigen Gelände, wenn er einmal abgestellt werden muss. Denn schließlich wollen sie ja nicht, dass ihr Kind wegrollt, während sie sich gerade mit einer Bekannten unterhalten. Idealerweise greifen die Feststellbremsen an allen vier Rädern. Dazu sollte die Bedienung einfach sein und die Feststellbremse darf sich auf keinen Fall von alleine lösen können. D.h. ein Einrasten und Sichern des Auslösesystems sollte vorhanden sein.

Haltesicherungen für den besseren Halt der Eltern am Haltegriff

Als Zubehör bekommt man bei vielen – eher schwereren Kinderwagen – sogenannte Haltesicherungen, die am Haltegriff angebracht werden und um die Handgelenke der Eltern gelegt werden können. So wird ein Abrutschen vom Haltegriff vermieden und ein Wegrollen des Kinderwagens auch wieder im abschüssigen Gelände.

Sie sehen schon, dass die meisten Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit abschüssigem Gelände stehen. Aber ein Wegrollen ist schlichtweg eine Katastrophe und kann für das Kind extrem gefährlich werden. Verstellbare Haltegriffe an Kinderwagen sind schön, müssen aber extrem stabil sein und die Arretierung muss einwandfrei greifen und darf sich keinesfalls von alleine lösen.

Dazu sollten die Griffflächen der Haltegriffe ergonomisch gut gestaltet sein und möglichst griffig, um ein Abrutschen bei Unachtsamkeit zu vermeiden.

Der Innenraum mit der Babyschale

Babyschale im Kinderwagen mit Gurten

Babyschale im Kinderwagen mit Gurten

Gerade bei jüngerem Nachwuchs im Babyalter muss die Wand ausreichend hoch sein vom Innenraum bzw. der Babyschale, um ein herausfallen des Kindes hundertprozentig zu vermeiden. Ich weiß, dass sie jetzt denken, dass sowas nicht passiert aber leider kommt sowas vor und deswegen sollten Sie bei der Anschaffung ihres klassischen Liegewagens oder des Kombi-Kinderwagens darauf genau achten.

Außerdem muss das Baby bzw. das Kleinkind ausreichend Platz haben. Das war ein extremer Schwachpunkt beim Test von Kinderwagenmodellen der Stiftung Warentest im Februar 2015. Viele auch sehr renommierte Hersteller scheiterten mit ihren Modellen aufgrund der nicht optimal gestalteten Liegefläche bzw. Sitzfläche für das Kleinkind bzw. Baby.

Stabilität bzw. Kippgefahr

Nicht unbedingt ein Problem des Aufbaus eines Kinderwagens, sondern eher des Verhaltens der Eltern. Hängen Sie keinesfalls schwere Einkaufstaschen oder Plastiktüten an die Haltegriffe des Kinderwagens. Haben wir leider immer wieder gesehen und führt leicht zum Kippen des Kinderwagens, wenn die Mutter bzw. der Vater einmal im Stand den Wagen loslässt.

Für Einkäufe gibt es praktische Einkaufskörbe als Zubehör und Einkaufsnetze bzw. Taschen. Diese sind dann am Kinderwagen so angebracht, dass ein Kippen ausgeschlossen ist.

Ein Problem beim Aufbau, gerade bei manchen Billigmodellen ist, dass sie nicht ausreichend stabil sind und der Schwerpunkt schlecht sitzt. D.h. sie sind nicht so gut gegen Kippgefahr geschützt.

Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass hier vom Hersteller drauf geachtet wurde. Im Zweifel kann Ihnen ein spezialisierter Verkäufer in einem Babyfachmarkt weiterhelfen. Ebenfalls sinnvoll ist die Nutzung von Testberichten, um diesen sicherheitsrelevanten Faktor auszuschließen.

Das Gurtgeschirr zur Sicherung des Kindes

Sobald das Baby aufrecht sitzen kann muss mindestens ein Drei-Punkt-Gurtsystem vorhanden sein. Im Idealfall haben Sie ein Fünf-Punkt-Gurtsystem, um das Baby und spätere Kleinkind im Kinderwagen zu sichern. Die Verschlüsse des Gurtsystems müssen so konzipiert sein, dass sie nicht von ihrem Kind aufgemacht werden können. Ist bei Qualitätswagen eine Selbsverständlichkeit, aber nicht bei allen Kinderwagen.

Die Polsterung des Geschirrs ist wichtig, damit sich ihr Kind wohl fühlt. Achten Sie auf eine gute Polsterung und einen bequemen Sitz. D.h. das Sicherheits-Gurt-Geschirr sollte nicht zu locker sitzen, aber auch nicht zu fest. Sollten Sie später einen sogenannten Jogger (Dreirad-Kinderwagen) nutzen, um mit ihrem Nachwuchs ein wenig Sport zu machen, dann achten Sie bitte darauf, dass auf jeden Fall ein Fünf-Punkt-Sicherheitssystem genutzt wird.

Durch die Erschütterungen beim Joggen über unebenes Gelände ist eine bessere Sicherung notwendig.

Schadstoffe im Wagen

Der große Kinderwagen Test im Jahre 2005 der Stiftung Warentest hat uns leider gezeigt, dass in vielen Kinderwagen Schadstoffe in den Materialien waren. Dazu gehören Weichmacher und andere schädliche Stoffe. Krebserregende Substanzen, die wir keinesfalls in der Nähe unseres Kindes haben möchten und schon gar nicht in einem Kinderwagen.

Natürlich sind auch sie als Eltern davon betroffen, weil diese Stoffe teilweise in den Haltegriffen waren. Deswegen empfehlen wir vor dem Kauf Testberichte durchzulesen und gerade die Tests der Stiftung Warentest und Ökotest anzusehen, da diese die Materialien auf Schadstoffe untersuchen.

Im Test der Stiftung Warentest vom Februar 2015 fanden sich immer noch in zwei Kinderwagen Schadstoffe. Sie sehen also, dass dies noch lange nicht komplett unrealistisch ist und immer noch Hersteller nicht genau genug prüfen auf solche Stoffe.

Wir haben natürlich in unseren Tests auch recherchiert, ob es irgendeinen einen Hinweis von Untersuchungen gibt, dass Schadstoffe im Kinderwagen enthalten sind.

Einen umfassenden Artikel zum Problem finden Sie hier: Schadstoffe in Kinderwagen immer noch ein Problem >>

Fazit

Wenn Sie alle diese Aspekte bei der Anschaffung ihres Kinderwagens berücksichtigen, dann können Sie ziemlich sicher sein eine nahezu perfekte Auswahl in dieser Hinsicht getroffen zu haben. Allerdings kann man natürlich nie 100 % sicher sein und gerade Eltern wissen, dass es immer ein gewisses Restrisiko bleibt.

Wir sind der Meinung, dass man vorab so gut prüfen sollte wie man kann, aber eben auch nicht jedes Zubehör kaufen muss welches irgendeinen Sicherheitsaspekt angeblich berücksichtigt. Denn inzwischen prosperiert das Kinderwagenzubehör Geschäft und natürlich versuchen manche Verkäufer immer mehr Umsatz zu machen mit zahlreichen, teilweise relativ sinnlosen Zubehörteilen.

Wenn sie nach unserer Liste prüfen, dann haben Sie auf jeden Fall 99 % der Sicherheitsaspekte abgedeckt.

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