Schadstoffbelastung bei Kinderwagen immer noch ein Problem?

Bereits vor fünf Jahren wies die Stiftung Warentest in ihrem Kinderwagen Testbericht daraufhin das sehr viele Kinderwagen zu hohe Schadstoffwerte in den verarbeiteten Materialien aufwiesen. In diesem Testbericht schnitten ganze zehn Kinderwagen mit mangelhaft ab, weil sie zu hohe Werte bei den Schadstoffen auswiesen. Im Februar 2015 wurde von der Stiftung Warentest eine weitere Untersuchung von Kinderwagen auf ihre Gebrauchstüchtigkeit durchgeführt. Dabei waren natürlich auch wieder die Schadstoffe im Mittelpunkt des Interesses.

Vorbildlicher Kombikinderwagen ohne jede Belastung!

Vorbildlicher Kombikinderwagen ohne jede Belastung!

Nur noch zwei Kinderwagen mit hohen Schadstoffwerten aufgefallen!

Dabei stellte sich heraus, dass die Hersteller von Kinderwagen deutlich nachgebessert haben und sich wahrscheinlich auch wegen dieses Testergebnisses Gedanken über ihre Modelle und die verwendeten Materialien gemacht haben.

Denn im Test der Stiftung Warentest vom Februar 2015 waren es glücklicherweise nur noch zwei Kinderwagen die mit mangelhaft abgeschnitten haben wegen hoher Schadstoffwerte. Die dabei gefundenen Substanzen waren bei einem Kinderwagen polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (BAK) wie Naphtalin.

Dieser Schadstoff steht im Verdacht Krebs auszulösen, indem er über die Haut in den Körper gelangt. Der andere auffällig gewordene Kinderwagen enthielt laut Stiftung Warentest kurz­kettige Chlorparaf­fine. Auch dieser Stoff steht im Verdacht Krebs zu erzeugen und wird als künstlicher Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt.

Auch dieser wird über die Haut aufgenommen und kann dann eben beispielsweise über die Muttermilch an das Baby übertragen werden.

Alles für den Nachwuchs ? EU Regelungswut, aber nicht für Kinderwagen!

Eigentlich schade, dass immer noch Kinderwagen mit Schadstoffwerten aufwarten die nicht optimal sind. Als Eltern ist ja gerade der Nachwuchs der Augapfel und man vermutet gerade bei Kinder Produkten keine Schadstoffe.

Eigentlich sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass gerade bei Kleinkindern, Babys aber auch älteren Kindern hier besonders darauf geachtet wird, dass diese nicht mit gesundheitsschädlichen Stoffen oder zumindest mit in Verdacht stehenden gesundheitsschädlichen Stoffen in Kontakt gebracht werden.

Leider wurde dies bei den Kinderwagen vor fünf Jahren durch die Stiftung Warentest widerlegt und damals war es ein Fiasko. Deren erneute Test zwei 02/2015 zeigt allerdings das hier nachgebessert worden ist und inzwischen sind es nur noch eine Minderheit von Modellen, die aufgefallen sind.

Auch hier muss man natürlich immer sagen:

  • Die Dosis macht das Gift
  • Die enthaltenen Schadstoffe sind teilweise nur in minimalen Mengen nachweisbar (was de facto nicht gleich zu einer Gesundheitsgefahr wird)

Die gesetzlichen Regelungen für Kinderwagen

überraschend ist allerdings schon, dass es in Zeiten in denen die EU jede kleine Kleinigkeit unseres Lebens reglementiert – mit einer EU-Richtlinie – es tatsächlich keine EU-Vorschrift für die Hersteller von Kinderwagen im Bereich der Schadstoffe gibt.

Offenbar haben das die Beamten übersehen und sich lieber auf andere Bereiche gestürzt. Inzwischen ist die Regelungswut der EU-Kommissionen ja landauf und landab bekannt und teilweise sind es unserer Meinung nach absolut unsinnige Richtlinien die hier verabschiedet werden.

Im Falle der Schadstoffwerte in Kinderwagen würden wir uns allerdings schon wünschen, dass hier ein Augenmerk darauf gerichtet wird. Denn es ist unserer Meinung nach wichtiger dafür zu sorgen, dass unsere Babys und Kinder sicher vor gesundheitsgefährdenden Stoffen sind, als dass ein Kreisverkehr irgendwo auf dem Land geregelt wird durch eine EU-Richtlinie. Ja das gibt es wirklich und wenn es sie interessiert dann können Sie gern einmal danach googeln.

Wie immer bei den fehlenden Gesetzen und Vorschriften fällt hier natürlich auf das es keine starke Lobby gibt um Babys und Kleinkinder zu schützen. Denn der kleine Bürger hat natürlich keine Lobbyisten in Brüssel und in Berlin herumlaufen, die solche Richtlinien anregen.

Ganz anders sieht das natürlich in anderen Bereichen unseres Lebens aus, wo Tausende Lobbyisten dafür sorgen, dass unsere Politiker und Spitzenbeamte entsprechende Anregungen bekommen. Bei Spielzeug, sowie bei Kinderbekleidung beispielsweise, gibt es sehr strenge Richtlinien in der EU die verbindlich sind für alle Hersteller die ihre Produkte im Raum EU vertreiben.

Noch strenger sehen die Regeln bei der Babynahrung aus. Höchste Zeit also auch im Bereich der Kinderwagen nachzubessern und eine entsprechende EU-Verordnung auf den Weg zu bringen.

Welche Schadstoffe werden in den Kinderwagenmodellen gefunden?

Im aktuellen Test der Stiftung Warentest vielenfielen hier zwei Stoffe auf. Bei den Tests vor fünf Jahren hingegen und bei anderen Untersuchungen anderer Institute waren es noch deutlich mehr Schadstoffe:

  • Weichmacher, Formaldehyd
  • Polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Flammenschutzmittel
  • In der aktuellen Untersuchung auf Schadstoffe fielen hingegen nur noch zwei Schadstoffe auf:
    • Polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (BAK) – steht im Verdacht krebserregend zu sein
    • Kurzkettige Chlorparaffine (Weichmacher, stehen ebenfalls im Verdacht Krebs zu erzeugen)

Beide Schadstoffe sind seit 2012 in der EU verboten. Die Verwendung dieser Substanzen oder das Inverkehrbringen ist verboten.

Aus dem generellen Verbot dieser zwei Schadstoffe kann man auch hier natürlich ableiten, dass die Kinderwagen die diese Schadstoffwerte aufweisen, nicht in Verkehr gebracht werden können. Das ist natürlich schon mal ein guter Schritt, aber man sollte hier tatsächlich auch speziell für Kinderwagen eine EU-Richtlinie auf den Weg bringen.

Wo verbergen sich die Schadstoffe?

Das Problem bei den Schadstoffen ist natürlich, dass sie sich in allen Materialien des Kinderwagens verbergen können. Ob sie nun in den Sonnenschutzvorrichtungen, in den Schiebegriffen, den Tragetaschen oder den Bezügen befinden, spielt eigentlich keine Rolle.

Denn sobald sie mit diesen Materialien in Kontakt kommen, können diese schädigend auf die Gesundheit wirken. Problematisch ist natürlich in Zusammenhang mit chemischen Schadstoffen immer, dass man sie nicht sehen kann. Bei einigen Schadstoffen kann man allerdings schon am Geruch des Materials erkennen, dass es hier um ein nicht optimales Naturprodukt handelt.

Wir empfehlen aus rein gesundem Menschenverstand heraus schon, wenn ein Kinderwagen sie geruchlich belästigt, die Finger davon zu lassen. Das wird Ihnen in der Regel bei einem Markenhersteller wie den bei uns getesteten Kinderwagen nicht passieren, aber bei dem ein oder anderen Billigmodell das wir uns angesehen hatten, fiel uns schon teilweise ein sehr unangenehmer Geruch auf.

Einen ähnlichen Geruch hatte ich schon einmal festgestellt, als ich in eine Billig-Modenkette hereingegangen bin und der ganze Laden nach Chemie gestunken hat. Das fand ich damals auch sehr merkwürdig und ich habe dieses Geschäft nie wieder betreten.

Was Sie auf jeden Fall tun sollten ist, dass sie nach dem Kauf eines neuen Kinderwagens oder eines Buggys alle abnehmbaren Stoffe erst einmal in die Waschmaschine tun und waschen. Das sollten Sie übrigens auch bei Kinderkleidung und auch bei ihrer Kleidung tun. Denn damit entfernen Sie schon einmal einen Teil eventuell vorhandener Schadstoffe und tun so das mögliche um jede Gesundheitsgefährdung zu minimieren.

Wie gefährlich sind Schadstoffe in den Modellen?

Inzwischen muss man ja tatsächlich feststellen, dass kaum noch Kinderwagen mit hohen Schadstoffwerten in Untersuchungen auffallen. So gesehen ist eine Gefahr heutzutage eigentlich fast nicht mehr gegeben. Wenn Sie natürlich ihren Kinderwagen aussuchen, dann können Sie auch gezielt recherchieren, ob dieses Kinderwagenmodell bereits einmal negativ aufgefallen ist.

Allerdings ist unsere Meinung dazu, dass gerade diese Hersteller die bereits einmal irgendwo getestet worden sind inzwischen natürlich besonders stark prüfen, dass ihre Materialien nicht belastet sind. Denn die Realität sieht ja so aus, dass viele Kinderwagen bereits in China oder ähnlichen Produktionsländern hergestellt werden oder zumindest die Materialien dafür aus dem Ausland kommen.

Die Hersteller müssten dann alle Materialien und jede Charge prüfen bevor sie diese verarbeiten, was natürlich mit enormem Aufwand verbunden ist und man natürlich auch ein Mindestmaß des Vertrauens seinen Lieferanten gegenüber hat.

Deswegen sind gerade die Hersteller unserer Meinung nach besonders zu empfehlen, die in der Vergangenheit aufgefallen sind und danach nicht mehr. Denn diese haben ihre Qualitätskontrollen offenbar deutlich verbessert und sind jetzt auf der sicheren Seite. Allerdings ist das nur unsere Meinung.

Die Öko-Kinderwagen

Ich weiß was Sie jetzt denken. Dann kaufe ich mir halt einen sogenannten Öko-Kinderwagen und dann habe ich den perfekten Wagen ohne Schadstoffbelastung. Das mag sogar sein aber leider sind einige dieser Öko-Kinderwagen in den Tests – auch der Stiftung Warentest – durch teilweise ziemlich schlechte Bewertungen aufgefallen.

Denn diese waren zwar – wie die meisten anderen Kinderwagen auch – schadstofffrei, aber konnten nicht gerade punkten bei der Funktionalität und ihren Eigenschaften. Da haben viele Hersteller nur an die Materialien gedacht und weniger auf die Planung und die Konzeption der Gestaltung ihres Kinderwagens.

Deswegen sollten Sie auf beide Faktoren achten und gerade in Testberichten wie bei uns einfach mal nachschauen wie gut der Wagen wirklich ist. Bei uns in den Tests werden sie keinen Kinderwagen finden der bei irgendwelchen Untersuchungen durch hohe Schadstoffwerte aufgefallen ist.

Deswegen können Sie sich da sicher sein, dass sie hier kein Problem bekommen. Allerdings muss man natürlich auch sagen, dass es eine 100-prozentige Garantie nie geben kann. Auch nicht wenn Sie einen Öko-Kinderwagen kaufen.

Fazit

Das Thema Schadstoffe wird bei allen Produkten regelmäßig ziemlich hochgespielt. Natürlich sind wir auch der Meinung, dass im Idealfall überhaupt keine Schadstoffe gemessen werden können. Aber oftmals liegen diese Schadstoffbelastungen unter den Grenzwerten, die von wissenschaftlichen Institutionen als unbedenklich eingestuft worden sind und deswegen ist eine Panikmache nicht angebracht.

Nur wenn Modelle mit über den Grenzwerten liegenden Schadstoffen auffallen, dann ist das durchaus bedenklich und der Gesetzgeber sollte hier durchgreifen. Wenn Sie kurzfristig einmal mit solchen Materialien in Kontakt kommen, dann passiert Ihnen eigentlich nichts.

Sie müssen nicht glauben, dass sie deswegen gleich eine akute Gesundheitsgefährdung haben. Allerdings ist es natürlich auch nicht optimal und deswegen muss es das Ziel sein das bei den nächsten Untersuchungen kein Kinderwagen mehr durch eine zu hohe Schadstoffbelastung auffällt.

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